Einleitung
Wer heute den Namen Anna Grillmeier hört, begegnet einer Künstlerin, die in der deutschen Musikszene längst kein Geheimtipp mehr ist. Deutschsprachiger Neo-Soul-Pop, der zwischen Leichtigkeit und Tiefgang pendelt, eine Stimme, die gleichzeitig zart und kraftvoll sein kann, und Texte, die sehr nah an den Menschen bleiben – all das beschreibt Annas musikalische Welt nur in Ansätzen. Ihre EP „raum“ von 2023, spätere Singles wie „Regenmantel“ (2024) sowie zahlreiche Kollaborationen zeigen eine Musikerin, die ihren Weg konsequent, aber sehr menschlich geht.
Diese Geschichte beginnt weit weg von den großen Bühnen, in einem kleinen Dorf in Bayern – und führt über Studienjahre in Köln, erste Bands, Backing-Vocals für bekannte Acts bis hin zu ihrer eigenen Tour im Jahr 2024
Frühe Jahre in Bayern
Anna wird 1993 in Bayern geboren. Schon früh spielt Musik in ihrem Alltag eine besondere Rolle. Sie wächst in einem Umfeld auf, in dem musikalische Erziehung ausdrücklich gefördert wird; ab 2005 nimmt sie an einer Musikschule in Neuburg Gesangsunterricht – und zwar nicht nur in einer Stilrichtung, sondern quer durch Rock, Pop, Musical und Oper.
Diese Vielseitigkeit prägt sie bis heute. Während viele junge Sänger*innen sich relativ früh auf ein Genre festlegen, sammelt Anna zunächst Erfahrungen in ganz unterschiedlichen musikalischen Welten. Das hört man später in ihren eigenen Songs: Soulige Phrasierungen, Pop-Melodien, jazzige Harmonien – alles scheint selbstverständlich ineinanderzugreifen.
Die Entscheidung für die Musik
Spätestens in ihrer Jugend wird klar, dass Musik für Anna mehr ist als ein Hobby. 2014 wird sie freiberufliche Sängerin und Songautorin und zieht nach Köln – eine Stadt, die für sie bald zur kreativen Heimat wird.
Parallel dazu beginnt sie 2018 ein Studium Jazz/Pop mit Hauptfach Songwriting an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.
Dieses Studium ist wichtig für ihre künstlerische Entwicklung: Hier vertieft sie nicht nur ihre Kenntnisse in Harmonie, Arrangement und Gesangstechnik, sondern sie lernt auch, wie man Songs so schreibt, dass sie persönlich sind, ohne banal zu wirken. Viele spätere Stücke tragen genau diese Handschrift – klar, ehrlich, direkt.
Coverbands, Galabands und erste Bühnenerfahrung
Schon bevor eigene Veröffentlichungen erscheinen, sammelt Anna jahrelange Praxis auf der Bühne. Seit 2014 singt sie in verschiedenen Cover- und Galabands, etwa bei Formationen wie KKCB, Papa’z Finest, Saxity, The Westbunch oder Diamond Soundsystem.
Diese Phase wirkt auf den ersten Blick wie ein „Job“, ist aber in Wahrheit ein intensives Trainingslager. Mehrstündige Shows, unterschiedliche Publikumsgrößen, ständig wechselnde Setlists – all das schult ihre Bühnenpräsenz, Kondition und Flexibilität. Wer sie später live mit eigener Band erlebt, spürt diese Routine sofort: Sie wirkt souverän, nahbar und gleichzeitig sehr präsent.
Eierstockpop und künstlerische Zusammenarbeit
2016 gründet Anna das Duo „2xLEBEN“, das sie selbst als „Eierstockpop“ bezeichnet – ein humorvoller, selbstbewusster Begriff, der deutlich macht, dass hier Frauen ihre Perspektive in den Mittelpunkt stellen. Seit der Gründung erscheinen mehrere Singles und ein Album.
In solchen Projekten kann Anna viel ausprobieren: andere Songstrukturen, mutigere Texte, ein frecherer Ton. Diese gemeinschaftliche Arbeit zeigt, wie stark ihr künstlerisches Selbstverständnis von Kollaboration geprägt ist. Später wird sie auch in anderen Konstellationen – etwa mit CA3SAR bei „Für immer frei“ oder auf Bühnen mit ORTA – immer wieder in Teams sichtbar, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
Hinter den Kulissen großer Namen
Parallel zu ihrer eigenen Musik wird Anna als Backgroundsängerin gefragt. Sie steht unter anderem an der Seite von Moses Pelham, DJ Ötzi, Diana Ezerex, ORTA und weiteren Künstler*innen auf der Bühne.
Besonders prägend sind Auftritte in großen Hallen – etwa als Backgroundsängerin für die Kölner Band Cat Ballou in der Lanxess Arena.
Solche Momente machen deutlich: Anna kann sich in sehr großen Produktionen bewegen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Gleichzeitig lernt sie von etablierten Acts, wie man ein Publikum emotional abholt, eine Show dramaturgisch aufbaut und authentisch bleibt, selbst wenn Tausende Menschen zuschauen.
Die ersten eigenen Songs
Der Schritt nach vorne ans Mikrofon erfolgt konsequent. 2020 erscheint die Debüt-Single „Tulpen in Ehrenfeld“, ein deutschsprachiger Pop-Song, der bereits den Mix aus urbanem Alltagsbeobachten und emotionalen Bildern zeigt.
Es folgen weitere Stücke wie „Achter Dezember“ (2021), „Laut Sein“ (2022, mit Schwerpunkt auf dem Thema sexualisierte Gewalt), „Für immer frei“ (2022, mit CA3SAR), „Kleber“, „Schöner Mensch“ und „Bei Mir“ (2023).
Inhaltlich zeigen diese Songs, worum es Anna geht: mentale Gesundheit, Älterwerden, Neuanfänge, Sexismus, politische Teilhabe. Sie verknüpft gesellschaftliche Themen mit persönlichen Geschichten, ohne belehrend zu wirken. Ihre Texte sind nahbar, klar und trotzdem poetisch – man spürt eine Haltung, aber sie drängt sich nicht auf.
Die EP „raum“ – ein Wendepunkt
Ein zentrales Kapitel in ihrer Geschichte ist die EP „raum“, die im Juni 2023 erscheint.
Der Titeltrack wurde von Musikblogs als „jazzig angehauchte Neo-Soul-Nummer“ beschrieben – mit feinen Keys, zurückhaltenden Grooves und einem sehr emotionalen Gesang.
Anna selbst beschreibt den Begriff „Raum“ als etwas, das sie sich selbst oft zu wenig gibt: Raum für Emotionen, Raum für Heilung, Raum für Loslassen.
Der Song entstand in einer Phase des Abschieds – von einer Beziehung, aber auch von Erwartungen an sich selbst. Abschiede können weh tun, aber sie können zugleich die Seele retten, weil man wieder bei sich selbst ankommt.
Die EP umfasst fünf Songs – „Raum“, „Schöner Mensch“, „Achter Dezember“, „Kleber“ und „Bei Mir“ – und zeigt die Bandbreite ihres Sounds: von soulvollen Balladen bis hin zu groovigeren Songs, in denen sie mit R&B-Elementen, Electronica und Pop experimentiert.
„Raum“ markiert einen künstlerischen Wendepunkt: Die Musik wirkt reifer, die Produktion detailreicher, das Gesamtbild konsequent. Aus der Sängerin, die schon lange auf Bühnen stand, wird hier klar erkennbar eine eigenständige Künstlerin mit unverwechselbarem Profil.
Texte, die nah an den Menschen bleiben
Ein roter Faden durch Annas Werk ist die Art, wie sie über Menschen und Gesellschaft schreibt. Ihre Musik bewegt sich zwischen Neo-Soul, Pop und Rap, während die Inhalte stets emotional und lebensnah bleiben.
Sie singt über innere Kämpfe, über das Bedürfnis nach Nähe und nach Rückzug, über Verletzlichkeit und Stärke. Besonders in Songs wie „Laut Sein“, die sich mit sexualisierter Gewalt beschäftigen, zeigt sich ihr Mut, unangenehme Themen anzusprechen und Betroffenen eine Stimme zu geben.
Auf ihrem Bandcamp-Profil wird beschrieben, dass sie „gute Laune und viele Wörter“ liebt – eine Beschreibung, die man sofort versteht, wenn man ihre Texte hört. Sie erzählt mit Leichtigkeit, auch wenn die Themen schwer sind, und schafft so eine Mischung aus Lebensfreude und Nachdenklichkeit, die sehr authentisch wirkt.
Live auf der Bühne
Live wird besonders sichtbar, wie sehr Anna sich über die Jahre entwickelt hat. Ihre Bühnenpräsenz wirkt souverän, gleichzeitig warm und nahbar. In ihren aktuellen Projekten tritt sie mit eigener Band auf und schafft eine Atmosphäre, die von vielen Fans als „musikalische Umarmung“ beschrieben wird – deutschsprachiger Neo-Soul, Melancholie und rhythmisches Kopfnicken vereint in einem Abend.
Im März 2024 spielt sie ihre eigene Deutschlandtour, teilweise gemeinsam mit ORTA. Die Konzerte zeigen, dass sie längst mehr ist als eine aufstrebende Sängerin: Sie ist eine Performerin, die ihr Publikum mitnimmt – ehrlich, offen und emotional.
„Regenmantel“ und die nächste Phase
Ende 2024 erscheint die Single „Regenmantel“, die nochmals zeigt, wie Anna ihre Klangästhetik weiterentwickelt. Schon der Titel lässt vermuten, dass es um Schutz, Verletzlichkeit und Weitergehen geht – Themen, die sich durch ihr Werk ziehen.
In Statements zur Veröffentlichung beschreibt sie, dass der Song in enger Zusammenarbeit mit ihrem Team entstanden ist und für sie eine neue klangliche Richtung markiert.
Musikalisch wirkt „Regenmantel“ moderner und atmosphärischer, ohne die Wärme zu verlieren, die ihre Musik auszeichnet. Es ist ein Song, der zeigt: Anna bleibt nicht stehen.
Sie öffnet neue Räume, ohne die alten zu schließen.
Köln als kreatives Zuhause
Heute lebt und arbeitet Anna weiterhin in Köln – einer Stadt, die von Indie über Jazz bis zu experimenteller Musik alles bietet. Dieser kreative Mix beeinflusst sie spürbar.
Hier entstehen viele ihrer Songs, hier probt sie mit ihrer Band, hier tritt sie in kleinen Clubs auf, bevor neue Songs veröffentlicht werden. Köln ermöglicht ihr das, was sie als Musikerin braucht: Begegnung, Austausch und echte künstlerische Freiheit.
Ein Sound, der für sich spricht
Stilistisch bewegt sich Anna zwischen Neo-Soul, Pop und feinen Rap-Einflüssen. Ihre Musik wirkt warm, organisch und modern zugleich – mit viel Raum für Stimme, Text und Atmosphäre.
Sie setzt nicht auf Effekthascherei, sondern auf Echtheit.
Die Produktion lässt kleine Unsauberkeiten, Atemgeräusche oder Nuancen bewusst stehen – genau das macht ihre Musik menschlich.
Heute und Ausblick
Heute steht Anna Grillmeier an einem spannenden Punkt ihrer Karriere. Sie hat eine künstlerisch starke EP veröffentlicht, mehrere Singles nachgelegt, sich mit Live-Auftritten einen Namen gemacht und wichtige Kollaborationen abgeschlossen. Ihre Themen – mentale Gesundheit, Erwachsenwerden, Mut, Verletzlichkeit – bleiben relevant und finden immer mehr Zuhörer*innen.
Es gibt viele Hinweise darauf, dass ihre Reise gerade erst beginnt. Ob neue EP, neues Album oder weitere Kooperationen: Anna hat sich ein Fundament geschaffen, das von Offenheit, musikalischer Qualität und echter Nähe zu den Menschen getragen wird.
Fazit
Die Geschichte von Anna Grillmeier ist die Geschichte einer Künstlerin, die sich ihren eigenen Raum geschaffen hat – Schritt für Schritt, ehrlich, reflektiert und mutig. Vom kleinen Dorf in Bayern über Musikschulen, Coverbands und große Hallen bis hin zu eigenen Veröffentlichungen und Tourneen zeigt sie eine Entwicklung, die tief menschlich wirkt.
Ihre Musik verbindet Neo-Soul, Pop und persönliche Themen, erzählt von Verletzlichkeit und Stärke, von Freude und Zweifel, von Loslassen und Neubeginn.
Gerade diese Mischung macht Anna so besonders: Sie berührt, ohne zu überfordern. Sie erzählt, ohne zu belehren. Sie singt, wie man spricht – ehrlich und nah.
Und alles deutet darauf hin, dass noch viele Kapitel in der Geschichte von Anna Grillmeier geschrieben werde

